| Bio Baumwolle aus Indien |
| Geschrieben von: Petra Wörmann | |||
| Mittwoch, 22. Juni 2011 um 15:14 Uhr | |||
|
Auf der Suche nach einem passenden Stofflieferanten in Indien leuchtet es nicht unbedingt ein, sofort nach organischen Rohstoffen zu fahnden, die unter fairen Bedingungen für die Farmer von weitsichtigen Produzenten zu hochwertigen organischen Bio Denim verarbeitet wurden.
Wir treffen unsere "Biofreaks" in Indien zum ersten mal... Bekanntlich ist jeder Anfang schwer, hat aber den entscheidenden Vorteil vorbehaltlos seinen Idealen folgen zu können. Warum also auf später warten, wenn sich das alles mal angefangen hat "zu rechnen", warum sich bescheiden geben. Und wen wundert`s da noch, ausgerechnet in Indien auf echte Bio Freaks zu stoßen. Schnell wurde mir klar, als mich Kunal am Flugplatz von Ahmedabad abholte, dass wir nicht nur unseren Lieferanten für unseren Jeans Stoff gefunden hatten, sondern echte Verbündete und Freunde im widersprüchlichsten Land der Welt. Und das alleine ist mehr als beflügelnd und verlangt nach weiteren Taten.
Nicht nur dass mir ab diesem Moment nur noch erstklassiges Essen aus eigenem Anbau und aus dem Bio Laden vorgesetzt wurde und ich die wunderschönsten und wertvollsten mit Pflanzen gefärbten Baumwoll- und Seidenstoffe zu sehen bekam, mir wurde auch ein unvergesslicher Ausflug auf eine Bio Farm am Stadtrand von Ahmedabad geschenkt, der all mein Wissen über ein anstrebenswertes Leben auf diesem Planeten, Arbeit und Wirken im Einklang mit der Natur, mehr als auffrischte. Nur zwei Autostunden entfernt von Lärm und Gestank und Menschenmassen und Moloch, eine ganz und gar anders gelebte Realität.. Wir waren sehr früh aufgebrochen. Indien schläft bekanntlich ja nie, aber es war doch bedeutend ruhiger auf dem Highway und Kühe und Hunde konnten noch beruhigt, auf und neben der Fahrbahn ein wenig vor sich hin dösen. Bevor ich´s vergesse: Alle Vorurteile, die ich mir in meinem Leben über Indien eingefangen habe - stimmen!!! Und ich denke mit jedem Tag Indien, kommen weitere Dutzende hinzu. Verstehen, werde ich das Land sicher nie. Es ist mehr wie ein Rauschmittel; man sollte es nicht zu oft und nur in kleinen Dosen genießen ... Mein Begleiter, der Bruder von Kunal und nach meiner Vorstellung, der vorzeige Inder schlechthin: Chaos pur und immer unter Strom! O. k. war nicht viel los auf der Autobahn, und da kann Mann beim Überholen, praktischerweise, den Insassen des lahmeren Autos doch gleich mal beim Vorbeifahren nach dem Weg fragen. Ob er genug Zeit hatte und mit den Auskünften, was anfangen konnte, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall erreichten wir, nach duzenden Befragungen, im ähnlichen Stil, am Ende unser Ziel. Es war ja noch dunkel, es regnete und so ein bisschen menschlicher Kontakt, half da sicher meinem Muster Inder und Muster Großstadtmensch, der drohenden Vereinsamung zu entfliehen.Ich war am Ende nur noch erstaunt, wie da so plötzlich so viel Natur auftauchen konnte. Hinter einem großen Tor auf einem mit wunderschönen Blumen und Bäumen gesäumter Privatweg war klar, dass sich da eine andere Welt ankündigte. Zwei weiterer Idealisten tauchten auf: Indischer Arzt mit Gattin, im Zweitjob Bio Farmer und Exporteur von Bioprodukten, indienweit. Außerdem hatte sich zu dieser kühlen Morgenstunde noch eine japanische Fotografin, die in Berlin arbeitet, sowie eine Caféhaus und Bioladen Besitzerin aus Ahmedabad, zu unserer kleinen, vom Gutsbesitzer höchstpersönlich geführten Führung, eingefunden. Und jetzt gäbe es noch lange zu berichten.. Eigentlich könnte mein Bericht hier beginnen. Allein schon beim Blick in die Gesichter der dort arbeitenden Menschen konnte ich an die hier verwirklichten Ideale glauben. Nix Verschnörkeltes, Gekünsteltes oder Gewolltes. Alles richtig echt. Meine Hochachtung für dieses Projekt! Zum Thema Bio Baumwolle gab uns der Farmer noch zu bedenken, dass es in seiner Umgebung viele kleine Baumwollfarmer gibt, die sehr wohl beste Biobaumwolle produzieren. Schon wegen der unnötigen Kosten für Kunstdünger und Spritzmittel machen diese kleinen Farmer dort gerne mit. Allein das Problem liegt in den unerschwinglichen Kosten für die Zertifizierung ihrer Produkte. Ein Thema, das unnötigerweise hochgepuscht wird, von Leuten, die natürlich genau damit ihr gutes Geld verdienen. Allerdings hat dieser Zertifizierungswahn bisher wenig Durchblick und wirkliche Garantie für den Verbraucher gebracht. Dazu kommt, dass bei Weitem ein Vielfaches mehr an Biobaumwolle verkauft wird, als derzeit überhaupt produziert werden kann. Die Rolling Elephants Jeans, hat es da derzeit noch richtig gut: Bei den, in dieser Branche, verschwindend geringen Mengen an Bio Denim, das wir brauchen, können wir es uns wirklich noch leisten, echtes und zertifiziertes Material zu verarbeiten. Mögen die Giganten der Bekleidungsindustrie das Problem in nächster Zukunft in den Griff bekommen. Mögen die Kleinbauern dieser Welt nicht alle von der Großindustrie geschluckt werden. Hoffen wir, dass auch dann noch genug Stoff für uns zur Verfügung steht, wenn auch unser Hunger danach gewachsen ist ... Alle Bilder findet ihr hier!
|


